100 Geschichten

Der "100km von Biel 2019" ist Geschichte ... und erzählt nun selbst unzählige Geschichten. Aspekte, Meinungen, Emotionen; offene Fragen, zu enge Antworten, die wieder neue Fragen aufwerfen. Seit meinem Zieleinlauf am Samstag früh leben die Diskussionen, lebt damit der Lauf weiter; dies in Gesprächen, dies via Internet.

"100 km zu laufen kann nicht gesund sein". Stimmt, deshalb versuche ich sie immer schnell zu laufen, damit ich schnell durch bin!
Im Ernst, die Strapazen sind enorm, doch baue ich durch das Training, die Vorbereitung ein Bewusstsein zu meinem Körper auf, dass ich während des Laufes präzise weiss, ob ich jetzt Salz brauche oder doch einen Keks oder vielleicht besser noch gerade gar nichts; Reaktionen des Körpers nehme ich früh war und kann darauf eingehen. Ein solcher Lauf zwingt mich dazu, mich mit meiner Gesundheit zu befassen, das ganze Jahr hindurch. Die Frage bleibt für mich offen.
... Übrigens: Wenn ich eingeladen bin und bei 8 Personen nur 7 Weingläser hingestellt werden, DANN wird das ungesund ... für den Gastgeber.

"Ja aber" ... damit sind wir beim nächsten Thema ... "Die Läuferinnen und Läufer, die schon auf den ersten Kilometer so aussehen, als würden sie gleich zusammenbrechen". Ich kann es nicht verleugnen: Humpelnd, verzerrte Gesichter, verkrampfte Körper, es gibt schreckliche Bilder. Was wir dabei nie wissen, was in denen Menschen abgeht. Sind die Strapazen eines solchen Laufes, ihre geringsten Strapazen im Leben überhaupt? Finden sie über eine solche Leistung überhaupt erst zu ihrem Körper? Was ich aber weiss, dass oft diese Läuferinnen und Läufer mit sehr viel Erfahrung in diesen Lauf gehen, ihre Limits perfekt kennen und den Lauf souverän mit einem Lächeln zu Ende bringen.

Apropos Lächeln: Wenn mir gesagt wird, dass mein Lächeln auf Km 6 wie auch auf Km 98 genau gleich locker war, dann nehme ich das als ein riesen Kompliment, schliesslich weiss ich von den letzten Jahren her, wie finster ich dreinschauen kann. Sowieso aber verliere ich mein Lächeln auf jeden Fall wenn ich vor dem Start ungewollt geknuddelt, gestreichelt noch sonstwie umarmt werden. Es reicht, wenn mein Körper mir nahe ist, da brauche ich keinen zweiten. Im Ziel könnt ihr mich dann wieder "fressen"
... oder schon unterwegs, zumindest digital. Gewisse technische Probleme sind noch da, keine Zweifel. Aber dank den Tracker kann man einen solchen gigantischen Anlass für die Zuschauer überhaupt erst fassbar zu machen. Ich staunte nicht schlecht, wie viele Leute wegen mir wenig geschlafen haben. Aber es verändert auch mein Bewusstsein während des Laufes, jede Tempoeinbusse geschieht nun neu unter den Augen des Publikums, vor jedem Pinkeln schaue ich neu nicht nur nach links und rechts, sondern auch nach oben ...

Nicht zuletzt kam die Frage auf, wieso ich mit der Nummer 43 gelaufen bin, ich hätte doch eine tiefere Nummer zu gut. Gemäss Laufhierarchie stimmt das, doch gilt gemäss den 100 Weisheiten (soeben erfunden): Es gibt auf dieser Welt zwei Sachen, die man nicht einfordern darf. Das eine ist Liebe, das andere eine Startnummer am Bieler 100 km, beides wird einem gegeben.


In diesem Sinne, freue mich auf 2020 ... was die allerletzte Frage beantwortet: Yes, I will be there.
Matthias Klotz

Der "100km von Biel 2019" ist Geschichte ... und erzählt nun selbst unzählige Geschichten. Aspekte, Meinungen, Emotionen; offene Fragen, zu enge Antworten, die wieder neue Fragen aufwerfen. Seit meinem Zieleinlauf am Samstag früh leben die Diskussionen, lebt damit der Lauf weiter; dies in Gesprächen, dies via Internet.

"100 km zu laufen kann nicht gesund sein". Stimmt, deshalb versuche ich sie immer schnell zu laufen, damit ich schnell durch bin!
Im Ernst, die Strapazen sind enorm, doch baue ich durch das Training, die Vorbereitung ein Bewusstsein zu meinem Körper auf, dass ich während des Laufes präzise weiss, ob ich jetzt Salz brauche oder doch einen Keks oder vielleicht besser noch gerade gar nichts; Reaktionen des Körpers nehme ich früh war und kann darauf eingehen. Ein solcher Lauf zwingt mich dazu, mich mit meiner Gesundheit zu befassen, das ganze Jahr hindurch. Die Frage bleibt für mich offen.
... Übrigens: Wenn ich eingeladen bin und bei 8 Personen nur 7 Weingläser hingestellt werden, DANN wird das ungesund ... für den Gastgeber.

"Ja aber" ... damit sind wir beim nächsten Thema ... "Die Läuferinnen und Läufer, die schon auf den ersten Kilometer so aussehen, als würden sie gleich zusammenbrechen". Ich kann es nicht verleugnen: Humpelnd, verzerrte Gesichter, verkrampfte Körper, es gibt schreckliche Bilder. Was wir dabei nie wissen, was in denen Menschen abgeht. Sind die Strapazen eines solchen Laufes, ihre geringsten Strapazen im Leben überhaupt? Finden sie über eine solche Leistung überhaupt erst zu ihrem Körper? Was ich aber weiss, dass oft diese Läuferinnen und Läufer mit sehr viel Erfahrung in diesen Lauf gehen, ihre Limits perfekt kennen und den Lauf souverän mit einem Lächeln zu Ende bringen.

Apropos Lächeln: Wenn mir gesagt wird, dass mein Lächeln auf Km 6 wie auch auf Km 98 genau gleich locker war, dann nehme ich das als ein riesen Kompliment, schliesslich weiss ich von den letzten Jahren her, wie finster ich dreinschauen kann. Sowieso aber verliere ich mein Lächeln auf jeden Fall wenn ich vor dem Start ungewollt geknuddelt, gestreichelt noch sonstwie umarmt werden. Es reicht, wenn mein Körper mir nahe ist, da brauche ich keinen zweiten. Im Ziel könnt ihr mich dann wieder "fressen"
... oder schon unterwegs, zumindest digital. Gewisse technische Probleme sind noch da, keine Zweifel. Aber dank den Tracker kann man einen solchen gigantischen Anlass für die Zuschauer überhaupt erst fassbar zu machen. Ich staunte nicht schlecht, wie viele Leute wegen mir wenig geschlafen haben. Aber es verändert auch mein Bewusstsein während des Laufes, jede Tempoeinbusse geschieht nun neu unter den Augen des Publikums, vor jedem Pinkeln schaue ich neu nicht nur nach links und rechts, sondern auch nach oben ...

Nicht zuletzt kam die Frage auf, wieso ich mit der Nummer 43 gelaufen bin, ich hätte doch eine tiefere Nummer zu gut. Gemäss Laufhierarchie stimmt das, doch gilt gemäss den 100 Weisheiten (soeben erfunden): Es gibt auf dieser Welt zwei Sachen, die man nicht einfordern darf. Das eine ist Liebe, das andere eine Startnummer am Bieler 100 km, beides wird einem gegeben.


In diesem Sinne, freue mich auf 2020 ... was die allerletzte Frage beantwortet: Yes, I will be there.
Matthias Klotz

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